Psychotherapeuten in NRW protestieren gegen drohende Honorarkürzungen ab 2026
Jonas SchmittPsychotherapeuten in NRW protestieren gegen drohende Honorarkürzungen ab 2026
Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Nordrhein-Westfalen (NRW) bereiten sich auf Proteste gegen geplante Honorarkürzungen vor, die an diesem Donnerstag stattfinden sollen. Die Kürzungen, die ab April 2026 in Kraft treten sollen, werfen Fragen zur Zukunft der psychotherapeutischen Versorgung in der Region auf. Expertinnen und Experten warnen, dass die Änderungen die ohnehin schon langen Wartezeiten für Patientinnen und Patienten mit gesetzlicher Krankenversicherung weiter verschärfen könnten.
Die geplante Senkung der Erstattungssätze für psychotherapeutische Leistungen um 4,5 Prozent hat unter den Behandlerinnen und Behandlern Empörung ausgelöst. Die Psychotherapeutenkammer NRW argumentiert, dass die Kürzungen die Praxen finanziell stark belasten und einige dazu zwingen könnten, ihre Leistungen für gesetzlich Versicherte einzuschränken. Aktuell müssen Patientinnen und Patienten in NRW bereits im Schnitt fünf Monate auf einen ersten Termin warten.
Protestaktionen sind in mehreren Großstädten geplant, darunter Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen und Bielefeld. Die Therapeutinnen und Therapeuten befürchten, dass die Kürzungen noch mehr von ihnen in die private Praxis treiben werden – mit der Folge, dass für gesetzlich Versicherte immer weniger Behandlungsmöglichkeiten bleiben. Dies könnte die bestehenden Ungleichheiten beim Zugang zu Therapieplätzen weiter vertiefen, insbesondere in ländlichen Regionen, wo der Mangel am größten ist.
Allein in Deutschland fehlen Schätzungen von Fachverbänden zufolge etwa 7.000 Kassensitze für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Die Bundespsychotherapeutenkammer kritisiert veraltete Planungsmethoden, die regionale Unterschiede nicht ausreichend berücksichtigen. Zudem ist die Übernahme eines Kassensitzes oft mit hohen Kosten verbunden: Manche Praxen zahlen bis zu 50.000 Euro für die Nachfolge einer bestehenden Praxis. Hinzu kommt, dass Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten derzeit zu den am schlechtesten bezahlten Fachkräften im Gesundheitswesen zählen – ein weiterer Faktor, der die Zukunftsfähigkeit des Berufsstands infrage stellt.
Die Honorarkürzungen sollen am 1. April 2026 in Kraft treten, sofern die laufenden Verhandlungen keine Kehrtwende bringen. Angesichts bereits jetzt hoher Wartezeiten und eines Mangels an zugelassenen Behandlerinnen und Behandlern drohen die Änderungen den Zugang zur psychotherapeutischen Versorgung weiter zu erschweren. Patientinnen und Patienten mit gesetzlicher Krankenversicherung könnten noch längere Wartezeiten in Kauf nehmen müssen, wenn sich noch mehr Therapeutinnen und Therapeuten aus dem Kassensystem zurückziehen.






