NRW kämpft mit dramatischem Hausärztemangel – Westfalen-Lippe besonders betroffen
Philipp KrügerMangel an Hausärzten in NRW: Streit um effektive Maßnahmen - NRW kämpft mit dramatischem Hausärztemangel – Westfalen-Lippe besonders betroffen
Nordrhein-Westfalen steht vor einem dramatischen Hausärztemangel – besonders in Westfalen-Lippe
Nordrhein-Westfalen (NRW) kämpft mit einem massiven Mangel an Hausärzten, der sich in der Region Westfalen-Lippe besonders zuspitzt. Aktuelle Zahlen zeigen: Nirgends in Deutschland gibt es weniger Hausärzte pro Einwohner – nur 61 kommen auf 100.000 Menschen. Die Landesregierung hat zwar Gegenmaßnahmen eingeleitet, doch Kritiker werfen ihr vor, zu spät reagiert zu haben.
Laut Bundesärztekammer liegt Westfalen-Lippe beim Hausärzteanteil bundesweit auf dem letzten Platz. Baden-Württemberg (63,7) und Thüringen (68,1) verzeichnen deutlich höhere Werte, während Mecklenburg-Vorpommern mit 76,8 Hausärzten pro 100.000 Einwohner die Liste anführt. Die SPD warnt vor einer weiteren Verschärfung der Versorgungslücken und macht dafür explizit politisches Versagen verantwortlich.
Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) wies die Vorwürfe der Untätigkeit zurück und verwies auf jahrzehntelange Vernachlässigung unter den vorherigen SPD-geführten Regierungen. Gleichzeitig betonte er langfristige Lösungsansätze – darunter das in NRW erstmals bundesweit eingeführte Landarztquote-Programm. Im Rahmen dieser Initiative haben sich bereits 1.100 Medizinstudierende verpflichtet, nach ihrem Abschluss zehn Jahre lang in unterversorgten Gebieten als Hausärzte zu arbeiten. Allerdings werden die ersten Absolventen dieses Programms erst 2030 in die Praxis starten, da die Ausbildung mehrere Jahre dauert. Laumann unterstrich, dass die Bekämpfung des Hausärztemangels "kein Projekt für eine Legislaturperiode" sei, sondern langfristigen Einsatz erfordere.
Seit 2009 fördert ein weiteres Aktionsprogramm den Aufbau von über 1.000 neuen Praxen in unterversorgten Regionen NRWs. Insgesamt flossen 29 Millionen Euro in das Vorhaben, wobei 80 Prozent der Mittel nach Westfalen-Lippe gingen. Trotz dieser Maßnahmen kritisierte Lisa-Kristin Kapteinat, stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, die Bilanz als Beleg für Laumanns gescheiterte Politik.
Die ersten Absolventen der Landarztquote werden 2030 ihre Arbeit aufnehmen. Bis dahin bleibt Westfalen-Lippe die Region mit der geringsten Hausarztdichte Deutschlands. Das Land setzt weiterhin auf die Förderung neuer Praxen – doch bis die Maßnahmen vollumfänglich wirken, werden noch Jahre vergehen.






