Junge Generationen verlieren Vertrauen in Deutschlands Demokratie – doch ihr Protest wächst
Jonas SchmittZufriedenheit mit der Demokratie in NRW bei Jugendlichen sinkt - Junge Generationen verlieren Vertrauen in Deutschlands Demokratie – doch ihr Protest wächst
Deutschlands Demokratie bleibt stark, doch sie steht vor wachsenden Herausforderungen – das geht aus dem jüngsten Demokratiebericht hervor. Zwar hält die Unterstützung für demokratische Ideale weiterhin an, doch besonders junge Generationen zeigen sich zunehmend unzufrieden mit der praktischen Umsetzung der Demokratie. Auch das Vertrauen in zentrale Institutionen hat nachgelassen, vor allem bei den Jüngeren.
Die Zufriedenheit mit der Demokratie ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Bei den 19- bis 29-Jährigen fiel die Zustimmung um 14 Prozentpunkte auf nur noch 51 Prozent. In der Altersgruppe der 30- bis 44-Jährigen gab es einen Rückgang um acht Punkte – hier sind nur noch 43 Prozent mit dem System zufrieden. Besonders ausgeprägt ist dieser Trend in Nordrhein-Westfalen: Dort brach die Zufriedenheit bei den 14- bis 18-Jährigen seit 2023 von 77 auf 47 Prozent ein.
Das Vertrauen in Politik, Wissenschaft, Strafverfolgungsbehörden sowie in Entscheidungsträger auf Bundes- und Landesebene hat nachgelassen. Besonders stark ist der Vertrauensverlust bei den jüngeren Altersgruppen. Der Bericht warnt vor "mittelfristigen Risiken" für die Demokratie, die durch persönliche Sorgen, wirtschaftliche Schwierigkeiten und Zukunftsängste angetrieben werden.
Gleichzeitig wächst die Skepsis gegenüber der Demokratie. Rund 15 Prozent der Befragten halten eine Diktatur unter Umständen für vorziehbar. 47 Prozent stimmen der Aussage zu, die Gesellschaft brauche "eine starke Partei, die den Willen des Volkes vertritt". Ältere Generationen bleiben hingegen am stärksten in ihrer demokratischen Überzeugung verankert.
Trotz der sinkenden Zufriedenheit sind junge Menschen politisch aktiver geworden. In Nordrhein-Westfalen stieg die Beteiligung an Klimaprotesten wie Fridays for Future zwischen 2024 und 2025 in Städten wie Köln und Düsseldorf deutlich an. Jugendinitiativen wie Jugend.Wählt mobilisierten vor der Landtagswahl 2025 zur Wahlbeteiligung. Auch das Landesprogramm Demokratie leben! wurde ausgebaut und erreichte bis Anfang 2026 über 10.000 junge Menschen mit Workshops zur lokalen Demokratieförderung.
Der Bericht offenbart eine klare generationenbedingte Spaltung in der Unterstützung für die Demokratie. Während ältere Deutsche weiterhin hinter dem System stehen, verlieren jüngere Gruppen zunehmend das Vertrauen in seine Funktionsweise. Ihre Frustration hat zu stärkerem Engagement in Protesten und zivilgesellschaftlichen Projekten geführt – doch die langfristige Stabilität der Demokratie könnte davon abhängen, ob es gelingt, ihre Sorgen ernst zu nehmen und anzugehen.






