24 March 2026, 16:05

Das gescheiterte Atomprojekt THTR-300: Militärtechnik, Milliardenkosten und ein jahrzehntelanger Rückbau

Diagramm eines Atomkraftwerks mit einem Haus, einem Turm und Wasser im Hintergrund, begleitet von erklärendem Text.

Das gescheiterte Atomprojekt THTR-300: Militärtechnik, Milliardenkosten und ein jahrzehntelanger Rückbau

Der Thorium-Hochtemperaturreaktor (THTR-300) in Hamm, Nordrhein-Westfalen, war ein umstrittenes Atomprojekt mit tiefen militärischen Wurzeln. Ursprünglich als fortschrittlicher Graphitreaktor konzipiert, nutzte er in seinen Brennstoffkugeln hochangereichertes, waffenfähiges Uran mit einem Anreicherungsgrad von 93 Prozent. Nach Jahren des Betriebs wurde das Kraftwerk 1989 wegen technischer Mängel und Sicherheitsbedenken abgeschaltet.

Der Bau des THTR-300 begann mit erheblicher öffentlicher Förderung. Die Steuerzahler trugen den Großteil der Kosten: Die Bundesregierung steuerte 1,284 Milliarden Euro bei, das Land Nordrhein-Westfalen weitere 233 Millionen Euro. Der Reaktor, der eine Leistung von 300 Megawatt erbringen konnte, basierte auf einer militärischen Graphitreaktor-Technologie, die ursprünglich für die Plutoniumproduktion entwickelt worden war.

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Die Anlage erlebte früh Rückschläge, als der damalige US-Präsident Jimmy Carter 1977 die Lieferungen von hochangereichertem Uran stoppte – eine Entscheidung, die das Risiko der Weiterverbreitung von Atomwaffen verringern sollte. Trotz dieser Hürde blieb der Reaktor bis zum 1. September 1989 in Betrieb, als Fehlfunktionen und gebrochene Haltebolzen in der Heißgasleitung die endgültige Abschaltung erzwangen.

Seitdem befindet sich der THTR-300 im sogenannten "sicheren Einschluss", eine Phase, die voraussichtlich bis 2027 andauern wird. Mit dem eigentlichen Rückbau wird erst ab 2028 begonnen, die Fertigstellung ist für 2044 geplant. Zum Erbe der Anlage gehören 305 Castor-Behälter mit rund 675.000 bestrahlten Brennstoffkugeln, die derzeit im Zwischenlager Ahaus lagern.

Die Betreibergesellschaft, die Hochtemperatur-Kernkraftwerk GmbH (HKG), hat inzwischen Insolvenz angemeldet. Zu ihren Anteilseignern zählten einst große Energiekonzerne wie RWE und E.ON sowie mehrere nordrhein-westfälische Städte, darunter Bielefeld, Aachen, Hagen und Wuppertal.

Die Stilllegung des THTR-300 wird sich über Jahrzehnte hinziehen: Die Vorbereitungen beginnen 2028, der Abschluss ist erst für 2044 vorgesehen. Während der atomare Abfall weiterhin in Ahaus lagert, spiegelt die finanzielle und betriebliche Geschichte des Projekts eine Mischung aus öffentlicher Förderung, militärischen Ursprüngen und letztendem Scheitern wider. Die langfristigen Kosten und Sicherheitsmaßnahmen prägen bis heute das Erbe des Reaktors in der deutschen Atomenergie-Landschaft.

Quelle