Bottrops literarischer Protest: "Wir nicht" und der Kampf um Abtreibungsrechte
Ida MüllerBottrops literarischer Protest: "Wir nicht" und der Kampf um Abtreibungsrechte
Bottrop veranstaltet im September eine besondere literarische Lesung zum Tag für sichere Abtreibung
Am 26. September stellt die Autorin Nora Burgard-Arp im Film Forum der VHS Bottrop ihren dystopischen Debütroman "Wir nicht" vor. Die von der Gleichstellungsstelle der Stadt organisierte Veranstaltung knüpft an die aktuellen Debatten über reproduktive Rechte in Deutschland an.
Burgard-Arps Roman entwirft eine Zukunft, in der die reproduktiven Freiheiten von Frauen drastisch eingeschränkt sind. Die Protagonistin Mathilda schweigt lange über Ungerechtigkeiten – bis eine ungewollte Schwangerschaft sie zum Handeln zwingt. Ihr Kampf um körperliche Selbstbestimmung wird zur trotzigen Herausforderung an das System, das sie unterdrückt.
Die Lesung war schnell ausverkauft, und die Besucher:innen standen Schlange, um im Humboldt-Buchladen signierte Exemplare zu erwerben. Im Anschluss entwickelte sich eine lebhafte Diskussion über die politische Verantwortung, solche dystopischen Szenarien zu verhindern. Burgard-Arp bietet zudem kostenlose Schullesungen an, zu denen Lehrkräfte sie einladen, um jüngere Zielgruppen zu erreichen.
Die Abtreibungsgesetze in Deutschland sind seit langem umstritten. Seit 1871 stellt § 218 StGB den Schwangerschaftsabbruch unter Strafe, auch wenn nach dem Zweiten Weltkrieg Reformen folgten. Der Kompromiss von 1995 erlaubt Abbrüche bis zur 12. Woche nach Beratung – ein Ausgleich zwischen dem Schutz des ungeborenen Lebens und den Rechten der Frauen. Die Bottroper Veranstaltung unterstreicht das Engagement der Stadt für weitere Reformen und unterstützt Forderungen, Abtreibungen vollständig aus dem Strafrecht zu entfernen.
Der Abend endete mit einer klaren Botschaft: Reproduktive Rechte bleiben ein drängendes Thema. Burgard-Arps Roman und die öffentliche Resonanz zeigen, wie Literatur reale gesellschaftliche Debatten anstoßen kann. Die Lesung in Bottrop, zeitlich zum Tag für sichere Abtreibung platziert, hält die Diskussion lebendig – besonders vor dem Hintergrund möglicher gesetzlicher Änderungen.






