Wiesbadener Theater verwandelt Così fan tutte in ein radikales Beziehungsexperiment
Jonas SchmittWiesbadener Theater verwandelt Così fan tutte in ein radikales Beziehungsexperiment
Das Staatstheater Wiesbaden verwandelt Mozarts Così fan tutte in ein gewagtes Echtzeit-Experiment für die neue Spielzeit. Unter der Regie von Marie-Ève Signeyrole wird die Oper zu einer schonungslosen Bestandsaufnahme moderner Beziehungen – mit einer ungewöhnlichen Wendung: Statt professioneller Sänger stehen 20 junge Paare im Rampenlicht und stellen ihre eigenen Bindungen auf die Probe.
Die Produktion bricht mit der Tradition, indem sie Laien besetzt. Jedes Paar zwischen 18 und 35 Jahren kann sich bewerben – Voraussetzungen sind lediglich Mut und vielleicht ein Quäntchen Humor. Opernerfahrung ist nicht nötig.
Signeyroles Konzept verzichtet auf den gewohnten Schliff und legt schonungslos die Rohheit von Liebe und Treue offen. Die Bühne wird zur Kunstschule, das Publikum übernimmt die Rolle von Studierenden, die die Paare beobachten. Während der Aufführung sehen sich die Teilnehmer mit Prüfungen konfrontiert, die die Themen der Oper widerspiegeln – und ihnen ihre eigenen Beziehungen wie einen Spiegel vorhalten.
Das Experiment beginnt lange vor dem Vorhang. Sobald die Paare hinter der Bühne eintreffen, verschwimmen Kostüme, Wege und Blicke die Grenze zwischen Darstellern und Zuschauern. Die übliche Trennung löst sich auf, alle werden Teil des Versuchs.
Mit Ticketpreisen von nur 10 Euro ist die Aufführung für ein breites Publikum zugänglich.
Diese frische Interpretation von Così fan tutte macht aus der Oper eine Live-Untersuchung über Vertrauen und Treue. Die 20 Paare meistern auf der Bühne Herausforderungen, beobachtet von einem Publikum, das mitten im Geschehen steht. Die Produktion verspricht einen scharfen, ungeschönten Blick darauf, was passiert, wenn die Liebe auf die Probe gestellt wird.






