Verlage reformieren Presseverteilung: Ein Großhändler für ganz Deutschland ab 2027
Lukas HartmannVerlage reformieren Presseverteilung: Ein Großhändler für ganz Deutschland ab 2027
Eine Gruppe großer deutscher Verlage treibt die Pläne zur Neugestaltung der Presseverteilung voran. Das FFF-Bündnis, zu dem Axel Springer, die Bauer Media Group und die Frankfurter Allgemeine Zeitung gehören, will bis 2027 die derzeit 13 regionalen Großhändler durch einen einzigen bundesweiten Großhändler ersetzen. Der Vorstoß hat rechtliche Gegenwehr betroffener Großhändler und Branchenverbände ausgelöst.
Das FFF-Bündnis plant die Gründung der Presse-Grosso-Allianz (PGA) als zentralen Presse-Großhändler Deutschlands. Bis Ende 2026 soll die PGA die Geschäfte übernehmen, mit vollem Betrieb ab 2027. Nur vier Großhandelsunternehmen blieben als „Systempartner“ erhalten, während andere auf reine Logistikaufgaben reduziert würden.
Mehrere Großhändler, darunter PDG, Lütkemeyer, Jost, Mietke, PGSW und Grossounion Nord, haben bereits Klage eingereicht. Sie argumentieren, die Kündigungen der Verträge durch die Verlage gefährdeten eine faire Presseverteilung und die Medienvielfalt. Das Landgericht Dortmund wies kürzlich ihre Anträge auf einstweilige Verfügungen gegen die Kündigungen ab.
Der Bundesverband Presse-Grosso kritisierte das Vorgehen der Verlage scharf. Die Vertragskündigungen bezeichnete er als „bewusste und abgestimmte Zerstörung“ eines unabhängigen Wirtschaftssektors. Der Verband will die FFF-Initiative bis Sommer 2023 auf juristischem Weg stoppen.
Das Bundeskartellamt hat sich bisher nicht eingemischt. Nach Anpassungen der Pläne durch die Verlage erklärte es, vorerst keine Schritte einzuleiten. Trotz des Widerstands bleibt die Vertriebsreform des FFF-Bündnisses auf Kurs. Die rechtlichen Auseinandersetzungen dauern an, während die Großhändler um ihre Rolle in der Lieferkette kämpfen. Das Ergebnis wird die künftige Struktur der Presseverteilung in Deutschland prägen.
