Verbotenes Ballett über Nurejews Leben spaltet Russlands Kulturszene erneut
Jonas SchmittVerbotenes Ballett über Nurejews Leben spaltet Russlands Kulturszene erneut
Ein mutiges Ballett über Rudolf Nurejews Leben sorgt in Russland für neue Kontroversen
Die 2017 uraufgeführte Tanzproduktion über das Leben des legendären Tänzers Rudolf Nurejew, die wegen ihrer LGBTQ+-Thematik im vergangenen Jahr in Russland verboten wurde, steht erneut in der Kritik. Das Werk des Choreografen Juri Possochow und des Regisseurs Kirill Serebrennikow zeichnet Nurejews Weg vom sowjetischen Wunderkind zum weltweiten Star nach – bis zu seinem Tod 1993 an den Folgen von Aids.
Das Ballett Nurejew feierte am Moskauer Bolschoi-Theater Premiere, doch Serebrennikow konnte aufgrund von Hausarrest nicht anwesend sein. Nach seiner Verurteilung wegen Untreue floh er später ins Exil nach Berlin. Possochow, der die US-Staatsbürgerschaft besitzt, arbeitet trotz des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine seit 2022 weiterhin in Russland.
Die Bühnenbildgestaltung spiegelt Nurejews Leben wider: mit männlichen Akten alter Meister, Thonet-Stühlen und sogar Nachbildungen seiner italienischen Insel. Der erste Akt zeigt eindrucksvoll seine Ausbildung bei Alexander Puschkin und seine spektakuläre Flucht aus der UdSSR. Kritiker bemängeln jedoch, dass der zweite Akt trotz kraftvoller Solodarbietungen und mitreißender Ensembleszenen an Schwung verliert.
Seit 2017 hat sich das politische Klima in Russland zunehmend gegen künstlerische Freiheit gewandt. Nach der Uraufführung des Balletts wurde Serebrennikows Gogol-Zentrum durchsucht – ein Zeichen für die allgemeine Unterdrückung abweichender Meinungen. Gesetze gegen "LGBT-Propaganda" und prowestliche Themen wurden unter Putins Regierung verschärft, während die Militärausgaben mittlerweile mehr als die Hälfte des Staatshaushalts verschlingen. Inflation und Sanktionen belasten zudem Kultureinrichtungen, sodass viele Künstler zu Selbstzensur oder zur Flucht ins Ausland gezwungen sind.
1995 wurde Nurejews Nachlass versteigert, und in Berlin feierte ein separates Ballett über sein Leben Premiere. Doch die Version von 2017 – mit ihrer schonungslosen Darstellung seiner Sexualität – ist in Russland nun vollständig verboten.
Das Verbot von Nurejew unterstreicht die schrumpfenden Spielräume für LGBTQ+-Themen in der russischen Kunstszene. Während Possochow weiterhin in Moskau tätig ist, arbeitet Serebrennikow aus dem Ausland. Ihre einst gefeierte Zusammenarbeit ist heute ein Ziel staatlicher Repression – und spiegelt damit genau jenen Widerstandsgeist wider, der auch Nurejews eigenes Leben prägte.






