Verbotene Kosmetik: Warum gefährliche Chemikalien noch immer im Umlauf sind
Lukas HartmannVerbotene Kosmetik: Warum gefährliche Chemikalien noch immer im Umlauf sind
Tausende unsichere Kosmetikprodukte aus dem EU-Markt genommen – doch verbotene Artikel zirkulieren weiter im Netz
In den letzten zehn Jahren wurden Tausende bedenkliche Kosmetikartikel aus den Regalen der EU verbannt, doch viele längst verbotene Produkte sind weiterhin online erhältlich. Eine aktuelle Untersuchung zeigt: Selbst bekannte Marken verkaufen noch immer Erzeugnisse mit schädlichen Chemikalien, die mit Fruchtbarkeitsstörungen und Krebs in Verbindung gebracht werden.
Für die Behörden gestaltet sich die Kontrolle zunehmend schwierig, denn täglich kommen neue Produkte auf den Markt, während Schlupflöcher es ermöglichen, dass seit Jahren verbotene Stoffe weiterhin verwendet werden. So erwarben Ermittler im März eine Tube Schwarzkopf-Glitzer-Haargel, das Lilial (BMHCA) enthielt – einen Duftstoff, der in der EU wegen möglicher schädlicher Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit verboten ist. Trotz strenger Vorschriften war das Produkt noch immer erhältlich. Ähnlich erging es einem Nivea-Rasierschaum mit demselben verbotenen Inhaltsstoff, der über Amazon bestellt werden konnte – ein weiteres Beispiel dafür, wie leicht Verbraucher an eigentlich gesperrte Waren gelangen.
Doch das Problem beschränkt sich nicht auf den Online-Handel. Große Drogerieketten wie DM und Rossmann führen nach wie vor Kosmetik mit Prostaglandin-Analoga im Sortiment – Substanzen, die die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und das Krebsrisiko erhöhen können. Diese Artikel stehen neben knapp 600.000 weiteren Produkten, die derzeit auf dem Markt sind, während täglich 800 neue hinzukommen.
Eine EU-weite Razzia im Jahr 2025 offenbarten das Ausmaß der Missstände: Die Behörden überprüften über 1,6 Millionen Websites und stießen auf mehr als 20.000 illegale Produkte, viele davon auf Plattformen wie Shein, Temu und AliExpress. Zu den besorgniserregendsten Fundstücken zählten PFAS ("Ewigkeitschemikalien") sowie Hydrochinon, ein wahrscheinliches Karzinogen, das in Hautaufhellungscremes verwendet wird.
Obwohl fast 2.000 Stoffe in der EU verboten oder eingeschränkt sind, halten sich einige davon in älteren Produkten, die noch in Haushalten lagern. Noch problematischer: Der geplante Chemicals-Omnibus-Änderungsantrag der EU könnte die Durchsetzung weiter schwächen, indem er die Übergangsfristen von 18 Monaten auf bis zu sechs Jahre verlängert. Diese Verzögerung würde Unternehmen erlauben, Produkte mit längst verbotenen Inhaltsstoffen noch jahrelang zu verkaufen.
Die Untersuchung legt eine anhaltende Lücke zwischen den EU-Sicherheitsvorschriften und ihrer Umsetzung offen. Verbotene Chemikalien tauchen nach wie vor in Kosmetikartikeln bekannter Marken und großer Händler auf. Ohne schärfere Kontrollen könnten Verbraucher weiterhin ahnungslos Produkte nutzen, die ernsthafte Gesundheitsrisiken bergen.
Die Behörden stehen nun unter Druck, die Schlupflöcher zu schließen und den Abzug gefährlicher Waren aus stationärem Handel und Online-Shops zu beschleunigen.






