TMZ stürmt Washington: Wenn Klatschjournalismus auf Politik trifft
Philipp KrügerTMZ stürmt Washington: Wenn Klatschjournalismus auf Politik trifft
TMZ, die für ihre aggressive Paparazzi-Berichterstattung bekannte Klatschseite, richtet ihr Augenmerk nun auf die Politik in Washington. Das Portal schickt Mitarbeiter los, um Abgeordnete in der Öffentlichkeit zur Rede zu stellen, und bittet die Bürger um ungestellte Fotos von Politikern. Dieser Schritt erfolgt in einer Zeit, in der die Grenzen zwischen traditionellen Medien und Unterhaltung immer weiter verschwimmen – und ehemalige Reality-TV-Stars hohe politische Ämter bekleiden.
Gegründet wurde TMZ 2005 von Harvey Levin. Die Seite hat sich einen Namen damit gemacht, virale Momente zu jagen – oft durch Bezahlung von Informanten oder unkonventionelle Methoden. Da das Portal nicht über Akkreditierungen der Kongress-Pressegalerien verfügt, stützt sich die Washington-Berichterstattung auf spontane Straßeninterviews und Hinweise aus der Bevölkerung. Kürzlich sorgte TMZ mit einem Foto von Senator Lindsey Graham für Aufsehen, der mit einem Zauberstab in Disney World zu sehen war.
Der Wandel ist das Ergebnis jahrzehntelanger Vermischung von Unterhaltung und Politik. Ein ehemaliger Reality-TV-Star regierte sechs Jahre lang als Präsident, sein Kabinett umfasste einen Wrestling-Funktionär und einen Ex-Real-World-Darsteller. Selbst im Kapitol waren bereits über ein halbes Dutzend Stars aus The Real Housewives zu Gast.
TMZ' Vorstoß in die Politik hat bereits Aufmerksamkeit erregt. Verteidigungsminister Pete Hegseth erwähnte das Portal bei einer Pressekonferenz im Pentagon und bezeichnete die Mitarbeiter als "neue Mitglieder unserer Pressegruppe". Der Schritt spiegelt eine breitere Politikverdrossenheit wider: Der Kongress hat eine Ablehnungsquote von 86 Prozent, während die Zustimmung zum Präsidenten bei nur 33 Prozent liegt.
Mit dem Eintritt von TMZ in Washington verschmilzt die Berichterstattung über Prominente und Politik noch weiter. Angesichts der Vergangenheit des Portals – Bezahlung von Quellen, Jagd nach viralem Content – könnte es die politische Berichterstattung nachhaltig verändern. Ob sich dieser Ansatz durchsetzt, bleibt abzuwarten, doch erste Auswirkungen sind bereits spürbar.






