17 June 2026, 18:32

RAW-Gelände in Berlin: Kulturerbe oder Wohnungsbau – die Entscheidung fällt jetzt

Investor ruft Frieden ab

RAW-Gelände in Berlin: Kulturerbe oder Wohnungsbau – die Entscheidung fällt jetzt

Die Zukunft des Berliner RAW-Geländes, eines langjährigen soziokulturellen Zentrums, steht nach jahrelangen gescheiterten Verhandlungen auf dem Spiel. Fast elf Jahre lang haben der Eigentümer und der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg vergeblich um eine Einigung gerungen. Noch am vergangenen Wochenende war das Gelände mit Veranstaltungen lebendig – doch seine langfristige Zukunft sieht zunehmend ungewiss aus.

Die Kurth Group erwarb das RAW-Gelände 2015 und löste damit eine langwierige Debatte über die Abwägung zwischen Bebauung und Kulturerhalt aus. 2022 schien ein Durchbruch möglich, als der Bezirk einen 100 Meter hohen Büroturm vorschlug – im Gegenzug für den Schutz des „kulturellen L“, des Kernbereichs des Geländes. Doch das Abkommen scheiterte. Im Mai 2023 begannen unter dem Druck des bundesweiten „Bau-Beschleunigungsgesetzes“ neue Gespräche.

Der Investor drängte darauf, noch vor Abschluss der Planung mit dem Bau zu beginnen, doch der Bezirk verweigerte vorzeitige Baugenehmigungen. Ein im Mai 2024 vorgelegter Rahmenvertrag wurde von der Kurth Group abgelehnt, die ihm vorwarf, die Interessen Berlins über ihre eigenen zu stellen. In diesem Jahr brach der Eigentümer die Verhandlungen schließlich ganz ab und setzte stattdessen auf lukrativere Wohnbebauung.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Nun hat die Kurth Group das Planungsverfahren für gescheitert erklärt. Der Club Cassiopeia und andere Projekte müssen das Gelände innerhalb weniger Wochen räumen. Florian Falkenhagen, Geschäftsführer des Clubs, erhielt mündlich die Aufforderung, bis Ende des Monats auszuziehen – obwohl er weiterhin Miete zahlt und seit dem vergangenen Jahr ohne verlängerten Mietvertrag arbeitet.

Die kulturellen Einrichtungen auf dem RAW-Gelände stehen vor der Schließung, während der Eigentümer Wohnungsbau vorantreibt. Die Bemühungen des Bezirks, Gewinnstreben und Erhalt in Einklang zu bringen, sind bisher gescheitert. Ohne eine neue Vereinbarung könnte die soziokulturelle Bedeutung des Geländes für Berlin bald endgültig Geschichte sein.

Quelle