Podcaster Ben Berndt wehrt sich gegen LfM-Anordnung zu Höcke-Interview
Philipp KrügerPodcaster Ben Berndt wehrt sich gegen LfM-Anordnung zu Höcke-Interview
Die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) hat den Podcaster Ben Berndt angewiesen, sein Interview mit dem AfD-Politiker Björn Höcke nachträglich zu bearbeiten. Die Folge aus Berndts beliebter Sendung ungeskriptet wurde bereits über sechs Millionen Mal gestreamt. Die Behörde forderte die Änderungen bis zum 30. Juni und begründete dies mit Bedenken gegenüber Höckes unkommentierten Aussagen während des Gesprächs.
In dem Interview hatte Höcke seine rechtlichen Verurteilungen wegen der Verwendung des Slogans Alles für Deutschland thematisiert. Die LfM argumentierte, Berndt habe es versäumt, Höckes Darstellungen einzuordnen oder zu korrigieren, was den Anlass für die Beanstandung gab. Berndt hatte die Folge bereits einmal überarbeitet, nachdem die ehemalige AfD-Co-Vorsitzende Frauke Petry auf einen sachlichen Fehler hingewiesen hatte.
Berndt reagierte trotzig auf die Forderungen der LfM. Er erklärte, keine weiteren Änderungen vornehmen zu wollen, und erklärte: „Der Staat will mich zensieren. Da habt ihr euch den Falschen ausgesucht.“ Zudem warnte er, dass ein Nachgeben gegenüber der Anordnung zu weitverbreiteter Selbstzensur unter Podcastern führen könnte. Die LfM wies die Zensurvorwürfe zurück und bezeichnete ihr Vorgehen als die mildeste mögliche Maßnahme im Rahmen der Medienregulierung.
Seit 2020 haben die Landesmedienanstalten ihre Aufsicht auf bestimmte Online-Inhalte ausgeweitet. Allein in Nordrhein-Westfalen wurden seitdem 38 Beanstandungen auf Basis dieser erweiterten Befugnisse ausgesprochen. Die LfM betont, es handele sich nicht um Zensur, sondern um eine standardmäßige Beanstandung. Berndt bleibt jedoch entschlossen, der Aufforderung nicht nachzukommen. Der Streit verdeutlicht die anhaltenden Spannungen zwischen Medienaufsichtsbehörden und Content-Creatorn über die redaktionelle Unabhängigkeit.
