Lebensgefahr als Beruf: Wie NRWs Sprengstoff-Experten mit dem Tod umgehen
Jonas SchmittLebensgefahr als Beruf: Wie NRWs Sprengstoff-Experten mit dem Tod umgehen
In Nordrhein-Westfalen arbeiten Kampmittelräumer unter extremem Druck, um die Öffentlichkeit zu schützen. Andreas Otte, Experte beim Landeskriminalamt (LKA), gehört zu den Spezialisten, die mit den gefährlichsten Sprengstoffen Deutschlands umgehen. Sein Team wird jährlich zu Hunderten hochriskanten Einsätzen gerufen – von kriminellen Fällen bis zu Kriegsaltlasten.
Andreas Otte ist ausgebildeter USBV-Entschärfer (Unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen) und spezialisiert auf improvisierte Sprengkörper und Brandvorrichtungen. Gemeinsam mit 15 Kollegen arbeitet er in einer Einheit, die seit 1981 besteht. Ihre Aufgaben unterscheiden sich von denen des Kampfmittelbeseitigungsdienstes (KBD), der sich vor allem um Kriegsbomben und baubedingte Räumungen kümmert.
Das LKA-Team wird zu etwa 800 Einsätzen pro Jahr alarmiert, darunter rund 300 Bombenentschärfungen. Jeder Vorgang folgt strengen Protokollen – ferngesteuerte Roboter übernehmen die Handhabung der Sprengkörper, um direkten menschlichen Kontakt zu vermeiden. Otte betont, dass Präzision und Konzentration entscheidend sind: „Hier gibt es keine Routine und keinen Spielraum für Fehler.“
Vor jedem Einsatz rüstet sich Otte mit einem kevlarverstärkten Sprengstoffanzug aus. Die Schutzkleidung wiegt 40 Kilogramm, kostet über 60.000 Euro und besteht aus Keramikplatten sowie einem verstärkten Helm. Das Anlegen dauert 15 Minuten – eine notwendige Vorsichtsmaßnahme, bevor es zum scharfen Sprengstoff geht.
Parallel dazu hat der KBD allein 2024 bereits 7.266 explosive Altlasten beseitigt und über 35.500 Anfragen bearbeitet. Die Arbeit der Spezialisten verhindert Unfälle auf Baustellen und in öffentlichen Projekten und sichert so die Region ab.
LKA und KBD erfüllen in Nordrhein-Westfalen unterschiedliche, aber gleichermaßen lebenswichtige Aufgaben: Ottes Einheit bekämpft kriminelle und polizeiliche Bedrohungen, während der KBD historische Munition räumt. Beide Teams setzen auf moderne Technik und intensives Training, um Menschenleben und Eigentum zu schützen.






