Historischer Kartellprozess: Edelstahlbranche vor Gericht wegen Preisabsprachen
Philipp KrügerStahlrohrprozesse: Gab es Absprachen zwischen Herstellern? - Historischer Kartellprozess: Edelstahlbranche vor Gericht wegen Preisabsprachen
Ein großer Gerichtsprozess wegen angeblicher Preisabsprachen in der Edelstahlbranche beginnt an diesem Mittwoch vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf. Im Mittelpunkt des Verfahrens stehen Vorwürfe, dass Unternehmen zwischen 2002 und 2016 heimlich Preise abgestimmt haben. Zwei Firmen und ein leitender Manager wehren sich nun gegen Jahre zuvor verhängte Bußgelder.
Die Ermittlungen hatten im November 2015 begonnen, als Kartellbehörden mehrere Unternehmen durchsuchten. Ein Kronzeugenantrag eines der beteiligten Unternehmen löste die Untersuchungen aus. Bis 2018 und 2021 hatte das Bundeskartellamt zehn Edelstahlhersteller, zwei Branchenverbände und siebzehn Personen mit insgesamt 355 Millionen Euro bestraft.
Die meisten dieser Strafen wurden akzeptiert und sind mittlerweile rechtskräftig. Doch zwei Unternehmen und ein Manager legten Widerspruch ein, was zum aktuellen Prozess führte. Das Gericht wird prüfen, ob die Angeklagten mit acht weiteren Firmen und zwei Wirtschaftsverbänden zentrale Preiskomponenten für den Verkauf von Edelstahl manipuliert haben.
Zu den prominenten Namen in dem Verfahren zählen Acerinox (Spanien), Aperam (Luxemburg), ArcelorMittal (Luxemburg), Outokumpu (Finnland) und ThyssenKrupp (Deutschland). Auch Führungskräfte wie Stefan Hans von ThyssenKrupp und Hannu Ryöppy von Outokumpu sind betroffen. Die Verhandlung begann im September 2024, weitere Termine sind bis Ende Januar angesetzt. Zusätzliche Sitzungen könnten sich bis 2026 hinziehen.
Der Prozess wird sich über Monate erstrecken, wobei bereits 17 Hauptverhandlungstermine feststehen. Scheitern die Berufungen, müssen die beiden Unternehmen und der Manager die ursprünglichen Bußgelder zahlen. Das Urteil könnte zudem Präzedenzcharakter für künftige Kartellverfahren in der Stahlindustrie haben.






