Energiewende auf dem Prüfstand: Bund lockert Effizienzregeln für Rechenzentren
Ida MüllerEnergiewende auf dem Prüfstand: Bund lockert Effizienzregeln für Rechenzentren
Der Bundeskabinett hat Lockerungen des deutschen Energieeffizienzgesetzes beschlossen. Die Änderungen betreffen vor allem Betreiber von Rechenzentren, die nun mehr Zeit und Flexibilität erhalten, um die Vorgaben zu erfüllen. Kritiker werfen der Reform vor, den Umweltschutz zu schwächen.
Nach dem überarbeiteten Gesetz wurde die Frist für Rechenzentren, ihren Stromverbrauch vollständig durch erneuerbare Energien auszugleichen, auf das Jahr 2030 verlängert. Betreiber haben zudem vier statt bisher zwei Jahre Zeit, um Effizienzziele zu erreichen. Die Pflicht zur Nutzung von Abwärme entfällt, es sei denn, es existiert ein lokales Fernwärmenetz.
Die Verpflichtung zur Einführung von Energie- oder Umweltmanagementsystemen gilt nun nur noch für Unternehmen mit einem jährlichen Verbrauch von mindestens 23,6 Gigawattstunden. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz argumentiert, die Reformen würden Bürokratie abbauen und die Wettbewerbsfähigkeit stärken.
Umweltverbände kritisieren die Änderungen scharf. Linda Klapdor von Greenpeace bezeichnete sie als „Schlupflöcher für Tech-Konzerne“, die zu höheren Emissionen führen könnten. Kilian Vieth-Ditlmann von AlgorithmWatch sprach von einer „Kapitulation vor den Tech-Giganten“ und warnte vor steigenden Umwelt- und Wirtschaftskosten.
Seit 1990 hat Deutschland kaum Fortschritte bei der Reduzierung des Energieverbrauchs gemacht. Die neuen Regeln entlasten zwar Unternehmen, könnten aber die Bemühungen zur Vermeidung von Verschwendung verlangsamen. Die Regierung betont, die Reformen würden das Wachstum fördern, ohne die Effizienz aus den Augen zu verlieren.
