ARD wagt 30-Minuten-Tagesschau – kann das die Zuschauer zurückholen?
Lukas HartmannARD wagt 30-Minuten-Tagesschau – kann das die Zuschauer zurückholen?
Die ARD testet eine längere Version ihrer Flaggschiff-Nachrichtensendung Tagesschau, um den Rückgang der Zuschauerzahlen umzukehren. Der Versuch startet am Montag mit einer 30-minütigen Ausgabe um 20:15 Uhr – doppelt so lang wie gewöhnlich. Die Sender hoffen, dass das erweiterte Format das Vertrauen in die Medien stärkt und ein breiteres Publikum anspricht.
Doch die Entscheidung hat unter Kritikern und Branchenexperten eine Debatte ausgelöst, ob allein die längere Sendedauer die Probleme der Sendung lösen kann.
Die Zuschauerzahlen der 15-minütigen Tagesschau sind in den letzten fünf Jahren kontinuierlich gesunken. Lag der Durchschnitt 2021 noch bei 7,5 Millionen, waren es 2025 nur noch etwa 5,2 Millionen. Dieser Trend spiegelt größere Entwicklungen wider, darunter die Konkurrenz durch Streamingdienste und die abnehmende Nutzung des linearen Fernsehens bei jüngeren Zuschauern. Frühere Tests mit leicht längeren Formaten, wie der 20-minütigen Tagesschau Extra, brachten nur geringe Steigerungen – etwa 300.000 zusätzliche Zuschauer –, ohne nachhaltiges Wachstum zu belegen.
Jörg Schönenborn, Programmdirektor des WDR, verteidigte den Versuch und argumentierte, dass die zusätzliche Zeit helfe, globale Ereignisse mit dem Alltag der Zuschauer zu verknüpfen. Die Nachrichten würden so relevanter für ihr tägliches Leben. Doch die Skepsis bleibt. Die Journalistin Aurelie von Blazekovic hinterfragte, ob der Versuch, durch längere Sendungen mehr Relevanz zu schaffen, die richtige Strategie sei. Anna Mayr von der Zeit betonte, dass die Verbesserung der Qualität – und nicht nur der Dauer – Priorität haben sollte.
Der Kritiker Michael Hanfeld warnte, dass 15 Minuten für Nachrichten bereits ausreichten und eine Verlängerung das Primetime-Programm der ARD stören könnte. Der Testlauf ist vorerst befristet, und eine endgültige Entscheidung über eine dauerhafte Umstellung könnte noch auf sich warten lassen. Die internen Prozesse der ARD sind bekanntlich gründlich, sodass eine Bewertung Monate oder länger dauern könnte.
Die 30-minütige Tagesschau startet am Montag um 20:15 Uhr. Die ARD will damit die Zuschauerbindung und das Vertrauen stärken. Ob das längere Format den jahrelangen Zuschauerverlust umkehren kann, wird sich zeigen. Fürs Erste bleibt ungewiss, ob das Experiment zur festen Einrichtung wird.






