ZDK-Reformen verschärfen Machtkampf mit dem Kfz-Handwerk
Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) hat tiefgreifende Reformen seiner Satzung durchgesetzt und damit die Spannungen mit dem Zentralverband Deutscher Kraftfahrzeug-Handwerke (ZVK) weiter verschärft. Die im Januar 2024 eingeführten Änderungen zielen darauf ab, mehr Transparenz zu schaffen und – so die Führung – "die Realitäten der Branche" widerzuspiegeln. Doch der Schritt hat die Gräben vertieft: Der ZDK wirft dem ZVK vor, bewusst eine Spaltung voranzutreiben.
Der Streit eskaliert vor dem Hintergrund von Auseinandersetzungen über Mitgliedsbeiträge, Governance-Strukturen und die künftige Ausrichtung des Kfz-Gewerbes. Der ZDK betont, die Reformen würden organisatorische Zersplitterung verhindern und die direkten Verbindungen zwischen Werkstätten und der Bonner Zentrale stärken.
Die von ZDK-Präsident Thomas Peckruhn und Geschäftsführer Jürgen Hasler vorangetriebenen Neuerungen beenden die jahrzehntelange Praxis gemeinsamer Personalentscheidungen in den Gremien. Bisher hatte der ZVK garantierte Sitze im ZDK-Vorstand inne; die neuen Regeln reduzieren dies auf ein einziges empfohlenes Mitglied aus dem Handwerksbereich. Zudem hat der ZDK erbliche Vorstandsposten abgeschafft – künftig werden alle Personalentscheidungen von der Mitgliederversammlung getroffen.
Finanzielle Streitigkeiten haben die Konflikte zusätzlich angeheizt. Im Oktober 2025 forderte der ZVK 95 Prozent der ZDK-Mitgliedsbeiträge ein, woraufhin der ZDK die Gebührenstruktur umgestaltete. Im neuen System zahlt jede organisierte Werkstatt jährlich 100 Euro an die Bonner Zentrale. Der ZDK argumentiert, diese Änderung verhindere, dass Innungen isoliert werden, falls sich Landesverbände zurückziehen.
Rechtliche Auseinandersetzungen um die Abgasuntersuchungsgebühren (AÜK), einst ein zentraler Zankapfel, haben hingegen an Brisanz verloren. Der ZDK bezeichnet den aktuellen Konflikt nun als ein "bewusst inszeniertes Szenario", um eine Trennung zu erzwingen. Als Gegenmaßnahme plant der Verband, in betroffenen Regionen verstärkt präsent zu sein und über Gründe sowie mögliche Folgen eines Austritts aufzuklären.
Trotz der Spannungen lässt der ZDK eine Tür für eine Versöhnung offen. Eine Rückkehr zur Zusammenarbeit mit dem ZVK bleibe möglich – allerdings nur, wenn dieser die neuen Strukturen akzeptiere und die politische Entscheidungshoheit der Bonner Zentrale anerkenne. Unklar bleibt jedoch, wie der ZDK sich in Schlüsselländern wie Bayern und Nordrhein-Westfalen umstrukturiert hat, um markenspezifische Händler für sich zu gewinnen.
Die Reformen des ZDK markieren einen klaren Kurswechsel in der Steuerung des Kfz-Gewerbes. Werkstätten haben nun direkte Wege, sich der Bonner Zentrale anzuschließen, was die Abhängigkeit von Landesverbänden verringert. Die weiteren Schritte hängen davon ab, ob der ZVK sich dem neuen Rahmen anpasst oder weiter Widerstand leistet.
Derweil setzt der ZDK auf Kommunikation und intensiviert die Aufklärung der Betriebe über die Änderungen. Das Ergebnis wird prägen, wie die Branche künftig funktioniert – und ob die beiden Verbände ihre Differenzen überwinden können.