Warum das Misstrauen in die Demokratie trotz AfD-Erfolge weiter wächst
Philipp KrügerWarum das Misstrauen in die Demokratie trotz AfD-Erfolge weiter wächst
Der Soziologe Aladin El-Mafaalani hat untersucht, warum das Misstrauen gegenüber der Demokratie weiter wächst – selbst dann, wenn rechtsextreme Parteien ihre Versprechen nicht einhalten. In seinem neuen Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" analysiert er, wie Skepsis gegenüber staatlichen Institutionen, Gerichten, Wissenschaft und Medien den Aufstieg von Bewegungen wie der deutschen AfD oder Figuren wie Donald Trump befeuert. Seine Erkenntnisse zeigen: Selbst wenn diese Gruppen an Einfluss gewinnen, trägt es kaum zur Wiederherstellung des öffentlichen Vertrauens bei, ihre Schwächen bloßzustellen.
El-Mafaalani argumentiert, dass misstrauische Menschen sich vor allem mit Gleichgesinnten verbünden, die ihre Skepsis teilen. Diese "Gemeinschaften des Misstrauens" verstärken gegenseitig ihre Überzeugungen und setzen oft nur auf jene, die die liberale Demokratie ablehnen. Digitale Medien haben es solchen Gruppen erleichtert, sich zu vernetzen und zu organisieren – und damit ihren politischen Einfluss zu beschleunigen.
Ein deutliches Beispiel liefert die Alternative für Deutschland (AfD). 2013 als euroskeptische Partei gegründet, wandelte sie sich ab 2015 zu einer anti-migrantischen, rechtspopulistischen und nationalistischen Kraft. 2017 zog sie mit 92 Sitzen in den Bundestag ein und wurde stärkste Oppositionspartei. Bei der Bundestagswahl 2025 verdoppelte sie ihr Ergebnis von 2021, erreichte 20,8 Prozent der Stimmen und avancierte zur zweitstärksten Kraft.
Doch der Aufstieg der Partei blieb nicht ohne Widerspruch. Verfassungsbehörden stuften Teile der AfD als rechtsextrem ein, was 2024 zu Massenprotesten gegen ihre Politik führte. Trotzdem bleibt die Partei gut organisiert und bereitet sich unter Führung von Figuren wie Markus Frohnmaier auf die Landtagswahlen 2026 in Baden-Württemberg vor. Gleichzeitig halten die Debatten über Extremismus und mögliche Verbote an.
El-Mafaalani warnt, dass populistische Strategen gezielt das Vertrauen in demokratische Institutionen untergraben. Selbst wenn die AfD die Erwartungen ihrer Anhänger enttäusche, würden diese ihr Misstrauen kaum aufgeben. Peter Unfried, Chefredakteur von "FUTURZWEI", fragt angesichts dieser Analyse nach möglichen Lösungsansätzen. Die Forschung des Soziologen legt nahe, dass herkömmliche Methoden – etwa die Widerlegung rechtspopulistischer Behauptungen – nicht mehr ausreichen.
El-Mafaalanis Arbeit verdeutlicht eine hartnäckige Herausforderung: Ist das Misstrauen erst einmal verankert, lässt es sich nicht einfach ausräumen. Der Aufstieg der AfD – von einer randständigen Euroskeptiker-Gruppe zur bedeutenden politischen Kraft – zeigt, wie tiefgreifend diese Dynamiken die Politik verändern können. Seine Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit neuer Strategien, um der Erosion demokratischen Vertrauens entgegenzuwirken.






