Solingen lehnt NRW-Pläne für "ABC-Klassen" ab: Kita-Förderung in Gefahr
Lukas HartmannSolingen lehnt NRW-Pläne für "ABC-Klassen" ab: Kita-Förderung in Gefahr
Die Pläne der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen zur Einführung von "ABC-Klassen" stoßen in Solingen auf Kritik. Lokale Politiker von CDU und Grünen argumentieren, der Vorschlag könnte die bestehende Kita-Förderung eher stören als verbessern. Sie fordern nun eine bessere Abstimmung zwischen Land und Kommunen, bevor das Vorhaben umgesetzt wird.
Das neue Modell, das im Schuljahr 2028/2029 starten soll, sieht verbindliche Sprachförderung für Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen vor dem Schuleintritt vor. Doch es gibt Bedenken hinsichtlich der Umsetzbarkeit und möglicher Folgen.
Die Initiative der "ABC-Klassen" zielt darauf ab, gezielte Sprachförderung für Kinder anzubieten, die ohne ausreichende Deutschkenntnisse in die Schule kommen. Das Land würde das Programm finanzieren, doch bisher hat weder ein anderes Bundesland noch eine Kommune ein vergleichbares Modell eingeführt oder erprobt. Zwar helfen das seit Langem etablierte "Vorstellungsverfahren" in Hamburg und die LAuBe-Tests in Berlin, Sprachdefizite zu erkennen – doch Berlin kämpft mit Personalmangel bei der anschließenden Förderung.
In Solingen unterstützen sowohl CDU als auch Grüne zwar das Ziel, die Sprachkompetenz der Kinder zu stärken. Gleichzeitig warnen sie jedoch davor, die Kinder aus ihren vertrauten Kita-Strukturen herauszulösen. Maja Wehrmann (Grüne) betonte, eine Trennung der Kinder könnte Lernroutinen stören und die Gefahr einer Stigmatisierung bergen. Jessica Schliewe (Grüne) ergänzte, dass Sprachentwicklung am besten in vertrauten Umgebungen gelinge, in denen sich Kinder sicher fühlten.
Simone Lammert (CDU) wies auf ein strukturelles Problem hin: Die neuen Klassen könnten ein Parallelsystem schaffen, statt die bestehenden Kita-Angebote zu stärken. Zudem fehle es an Klarheit, wie das Modell in die aktuellen Förderstrukturen eingebunden werden solle – was die Planung vor Ort erschwere.
Statt neuer Modelle setzen sich beide Parteien dafür ein, die bestehenden Kitas zu stärken. Sie schlagen vor, die Sprachförderung gezielt innerhalb der gewohnten Umgebungen auszubauen, damit die Kinder Hilfe erhalten, ohne aus ihren Gruppen gerissen zu werden.
Die Debatte in Solingen spiegelt die grundsätzlichen Bedenken gegen die "ABC-Klassen" wider. Ohne klare Integrationspläne oder Erfahrungen aus anderen Regionen fordern die Kommunalpolitiker das Land auf, seinen Ansatz zu überdenken. Ihr Fokus liegt auf einer praktikablen, integrierten Sprachförderung, die die Kinder in ihrem gewohnten Kita-Alltag belässt.






