RWE flutet Rheinwasser in Tagebaue – doch Proteste und Risiken wachsen
Lukas HartmannRWE flutet Rheinwasser in Tagebaue – doch Proteste und Risiken wachsen
Ein umstrittenes Vorhaben zur Flutung ehemaliger Braunkohletagebaue in Westdeutschland nimmt Gestalt an – trotz wachsender Opposition. Das von dem Energiekonzern RWE geleitete Projekt sieht vor, ab 2030 Rheinwasser in drei riesige Gruben umzuleiten. Kritiker warnen vor Umweltgefahren und langfristigen finanziellen Belastungen für die Region.
Mit einem symbolischen Spatenstich in Elsdorf, nahe dem Tagebau Hambach, begann der Bau einer 45 Kilometer langen Pipeline. Die teilweise bis zu 2,2 Meter breiten Rohre sollen Wasser aus dem Rhein in die stillgelegten Gruben leiten. Als Erstes wird 2030 Hambach geflutet, gefolgt von Inden im selben Jahr und Garzweiler 2036.
RWE verfügt bereits über Genehmigungen für den Pipelinebau und die Wasserentnahme. Doch die Erlaubnis, Rheinwasser in den Tagebau Hambach einzuleiten, steht noch aus. Stand März 2026 sind zwei zentrale Bewilligungen noch nicht erteilt: eine für die Wassernutzung durch die Bundeswasserstraßenverwaltung und eine weitere für den Gewässerschutz durch die Bezirksregierung Köln. Rechtliche Auseinandersetzungen verzögern das Verfahren weiterhin.
Das Unternehmen stellt sich die gefluteten Gruben als Touristenattraktionen und Lebensräume für Wildtiere vor. Umweltverbände wie der BUND und Alle Dörfer bleiben hinterfragen jedoch die Sicherheit des Plans. Sie argumentieren, dass unbehandeltes Rheinwasser industrielle Schadstoffe und giftige Schlämme aus nahegelegenen Chemieanlagen in die neuen Seen spülen könnte.
Kritiker verweisen zudem auf übergeordnete Probleme. So wird das neue Hyperscale-Rechenzentrum von Microsoft in der Region enorme Wassermengen zur Kühlung benötigen und damit die lokalen Ressourcen zusätzlich belasten. Andreas Büttgen, ein entschiedener Gegner des Seeprojekts, bezeichnet RWEs Strategie als "erstklassigen Schachzug", der es dem Konzern ermöglichen könnte, sich aus der Region zurückzuziehen, falls die Kosten steigen. Er fordert strengere Wasseranalysen, öffentliche Kontrolle und mehr Protest, um langfristige ökologische und finanzielle Schäden zu verhindern.
Der Pipelinebau läuft zwar an, doch rechtliche und ökologische Hürden bleiben bestehen. Sollte das Projekt genehmigt werden, wird es die Landschaft der ehemaligen Abbaugebiete nachhaltig verändern. Der Ausgang hängt von behördlichen Entscheidungen, den anhaltenden Protesten und davon ab, ob die Bedenken zur Wasserqualität vor der Flutung ausgeräumt werden.






