NRW-Polizei setzt auf OSINT: Digitale Streife gegen Online-Kriminalität
Jonas SchmittNRW-Polizei setzt auf OSINT: Digitale Streife gegen Online-Kriminalität
Nordrhein-Westfalens Polizei baut digitale Kompetenzen mit großem OSINT-Schub aus
Die Polizei in Nordrhein-Westfalen stärkt ihre digitalen Fähigkeiten mit einem massiven Ausbau der Open-Source-Intelligenz (OSINT). Im Mittelpunkt der Initiative steht die Schulung von Beamten, um öffentlich zugängliche Online-Daten – von sozialen Medien bis hin zu Foren – systematisch zu sammeln und auszuwerten. Federführend ist dabei ein neues Ausbildungsprogramm, das von Experten des Landesamts für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP) entwickelt wurde.
Den Auftakt bildete im September 2024 das Projekt „Digitale Streife“. Im Rahmen dieser Maßnahme wurden zehn neue Beamte dem Landeskriminalamt (LKA) in Düsseldorf zugeteilt, während fast 100 weitere in sechs regionale Polizeieinheiten integriert wurden. Diese Teams, bekannt als „Digitale Streife“, arbeiten nach dem Prinzip der Schwarmintelligenz – einem kollaborativen Ansatz, der die Effizienz in Ermittlungen maximieren soll.
An der Spitze der OSINT-Offensive steht Fabian Coenen, Leiter der Unterabteilung 22.2 beim LKA. Sein Team, das einst aus nur zwei Spezialisten bestand, ist mittlerweile auf 16 Mitglieder angewachsen – darunter nicht nur Polizisten, sondern auch IT-Experten, Soziologen und Politikwissenschaftler. Ihr Fokus liegt auf politisch motivierter Kriminalität, wobei sie bei schnell eskalierenden Ereignissen rasche Unterstützung leisten.
Ein zentraler Baustein der Strategie ist die Ausbildung. Marc Restemeyer, ein 37-jähriger Dozent am LAFP in Neuss, leitet Schulungen für neue LKA-Rekruten sowie für Beamte der „Digitalen Streife“-Einheiten. Sein Online-Programm sorgt für einen standardisierten OSINT-Ansatz und stattet die Teilnehmer mit Fähigkeiten aus, um Informationen aus offenen Quellen zu extrahieren und zu bewerten.
Darüber hinaus unterstützen sechs spezialisierte OSINT-Einheiten nun dringende Einsätze im gesamten Bundesland. Diese Teams sind Teil des übergeordneten Staatsschutzrahmens Deutschlands und stehen bereit, um bei plötzlich zuspitzenden politischen Lagen zu reagieren.
Die Initiative markiert einen bedeutenden Wandel im Umgang der nordrhein-westfälischen Polizei mit digitalen Bedrohungen. Mit erweiterten Teams, strukturierter Ausbildung und einem Fokus auf Zusammenarbeit will die Behörde ihre Fähigkeiten zur Überwachung und Nutzung von Online-Informationen stärken. Der Erfolg des Programms wird davon abhängen, wie effektiv die Beamten diese neuen Kompetenzen in der Praxis einsetzen.






