Landwirte kämpfen um ihre Existenz: Einkommen bricht um 29 Prozent ein
Philipp KrügerLandwirte kämpfen um ihre Existenz: Einkommen bricht um 29 Prozent ein
Landwirte in Deutschland stehen vor einem drastischen Einkommensrückgang – in diesem Geschäftsjahr wird mit einem Rückgang der Erträge um fast ein Drittel gerechnet. Wie Prognosen der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen zeigen, werden viele Vollerwerbsbetriebe Mühe haben, selbst die grundlegenden Betriebskosten zu decken, geschweige denn in ihre Höfe zu investieren. Die Lage setzt Ackerbauern und Viehhalter unter zunehmendem finanziellen Druck.
Die aktuelle Vorhersage für 2025/26 geht von durchschnittlichen Einkünften konventioneller Vollerwerbsbetriebe in Höhe von 73.311 Euro aus – ein Minus von 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Doch dieser Betrag reicht bei Weitem nicht aus: Allein die privaten Entnahmen lagen im letzten Geschäftsjahr im Schnitt bei 130.600 Euro. Bei Gewinnen, die nun bei rund 70.000 Euro liegen, können viele Landwirte ihre Lebenshaltungskosten, Steuern, Pflichtabgaben und Kreditraten nicht mehr begleichen.
Steigende Produktionskosten belasten die Betriebe schwer, angetrieben durch explodierende Preise für Düngemittel, Energie und Tierfutter – bedingt auch durch den Ukraine-Krieg und die Inflation. Gleichzeitig bleiben die Erzeugerpreise für Milch, Getreide und andere Agrarprodukte auf niedrigem Niveau. Weitere Belastungen sind Kürzungen der EU-Subventionen nach der GAP-Reform 2023, Extremwetterereignisse wie Dürren (2018–2022) und Überschwemmungen (2021) sowie der Konkurrenzdruck durch billige Importe, insbesondere aus der Ukraine und Osteuropa.
Die auf Daten des NRW-Buchführungsrings basierende Prognose warnt zudem vor weiteren Risiken. Tierseuchen oder eine Eskalation von Konflikten – etwa im Iran – könnten die Märkte zusätzlich destabilisieren. Ohne Rücklagen fehlen den Landwirten die Mittel für dringend notwendige Modernisierungen oder langfristige Planungen.
Die finanzielle Schere zwischen sinkenden Einnahmen und steigenden Fixkosten wird sich weiter öffnen. Ohne eine Besserung der Marktbedingungen oder zusätzliche Hilfen könnten viele Betriebe Schwierigkeiten haben, ihr Geschäft über das aktuelle Geschäftsjahr hinaus aufrechtzuerhalten.