12 March 2026, 14:03

Kunstakademie Düsseldorf: Rektorin unter Rücktrittsdruck nach umstrittenem Künstlerauftritt

Ein Gemälde eines Mannes in einem roten Gewand, der auf einem Stuhl sitzt, wird als Sir John Langdon, Gründer der Royal Academy of Arts, identifiziert. Er hat einen ernsten und nachdenklichen Gesichtsausdruck und seine Hände ruhen auf seinem Schoß, eingerahmt in einem Foto.

Kunstakademie Düsseldorf: Rektorin unter Rücktrittsdruck nach umstrittenem Künstlerauftritt

Die Rektorin der Düsseldorfer Kunstakademie, Donatella Fioretti, gerät zunehmend unter Druck, von ihrem Amt zurückzutreten, nachdem sie eine umstrittene Veranstaltung ausgerichtete hat. Im Januar 2026 lud die Akademie die palästinensische Künstlerin Basma al-Sharif ein – trotz Proteste jüdischer Organisationen, die ihr antisemitische Äußerungen vorwerfen. Eine Petition mit über 700 Unterschriften fordert nun Fiorettis Absetzung und argumentiert, die Akademie müsse ein sicheres Umfeld für alle Studierenden gewährleisten.

Der Streit eskalierte, als die Kunstakademie die Veranstaltung mit al-Sharif trotz der Vorwürfe durchführte. Die Entscheidung wurde von der Mehrheit des Lehrkörpers und der Studierenden unterstützt, die das Recht der Künstlerin auf freie Meinungsäußerung verteidigten. Fioretti rechtfertigte die Einladung mit dem Verweis auf akademische und künstlerische Freiheit und kritisierte gleichzeitig politische Einmischung in kulturelle Räume.

Die Petition, initiiert von Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller, Oded Horowitz (Vorsitzender der jüdischen Gemeinde der Stadt) und Wolfgang Rolshoven (Antisemitismus-Beauftragter der Kommune), wirft der Akademie vor, Antisemitismus nicht klar genug zurückgewiesen zu haben. Gefordert werden schärfere Maßnahmen gegen Diskriminierung, einschließlich antipalästinensischen Rassismus. Fioretti wies die Rücktrittsforderungen zurück und bezeichnete die Debatte als Folge schnellebiger digitaler Kommunikation, nicht als inhaltliches Problem.

Der Konflikt spiegelt größere Spannungen innerhalb deutscher Kultureinrichtungen wider. Ähnliche Kontroversen gab es bereits, etwa die Entlassung des Künstlers Hatem Al-Tawil von derselben Akademie 2023, Absagen im Berliner Haus der Kulturen der Welt oder Proteste gegen die Künstlerin Candice Breitz am Essener Folkwang Museum. Viele pro-palästinensische Künstler:innen sehen sich bundesweit verstärkter Prüfung und Veranstaltungabsagen ausgesetzt.

Als Reaktion hat die Kunstakademie ein neues Beratungssystem eingeführt, das alle Formen von Diskriminierung behandeln soll. Die Maßnahme zielt darauf ab, künftige Konflikte zu vermeiden, ohne die Meinungsfreiheit einzuschränken.

Die Handhabung des Auftritts von al-Sharif durch die Akademie hat die Gräben in der Debatte um Rede- und Kunstfreiheit sowie Diskriminierung in kulturellen Räumen vertieft. Während die Petition an Fahrt aufnimmt und die Rektorin sich weigert, zurückzutreten, steht die Institution weiter unter Beobachtung. Das neu geschaffene Beratungsgremium wird zeigen, wie künftige Streitfälle gelöst werden.

Quelle