"Kein Körper passt" feiert rauschende Premiere als mutiges Bühnenexperiment in Berlin
Lukas Hartmann"Kein Körper passt" feiert rauschende Premiere als mutiges Bühnenexperiment in Berlin
Die Bühnenadaption von Kein Körper passt, dem preisgekrönten Debütroman von Kim de l'Horizon, feierte vor ausverkauftem Haus Premiere in Berlins Vaganten Bühne in Charlottenburg. Unter der Regie von Max Radestock und Daniela Guse bringt die Inszenierung eine zutiefst persönliche Geschichte über Identität, Erinnerung und Selbstakzeptanz mit kühnen Bildern und roher Emotionalität auf die Bühne.
Das Stück begleitet Kim, eine genderfluide Protagonist:in, deren Körper sich jeder Definition entzieht. Gespielt von drei Schauspieler:innen – Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger – bewegt sich die Figur durch eine Welt, in der traditionelle Grenzen verschwimmen. Ihre Reise beginnt, als Kims Großmutter an Demenz erkrankt und sie sich mit den eigenen Wurzeln sowie dem Schweigen um ihre Identität auseinandersetzen müssen.
Die Bühne explodiert förmlich vor eindrucksvollen Bildern: Zerrissene beige Strumpfhosen hängen von der Decke, beschwert mit Sand und Bällen. In einer kraftvollen Szene stolziert Kim über einen improvisierten Laufsteg in zarten weißen Spitzenkleidern, während Musik durch den Saal dröhnt. Doch mitten im Chaos findet die Figur einzig unter einer Blutbuche Zuflucht – einem Baum, den einst ihr Urgroßvater gepflanzt hat.
Im Kern geht es in der Geschichte um die Befreiung von Scham. Kims Kampf, einen Körper anzunehmen, der sich binären Zuschreibungen entzieht, wird zu einem trotzig-befreiten Akt der Selbstermächtigung. Der Roman, der 2022 sowohl mit dem Deutschen als auch dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet wurde, entfaltet nun in dieser ungeschönten, packenden Bühnenfassung neues Leben.
Die Premiere markiert einen mutigen Schritt für queeres Erzähltheater im deutschsprachigen Raum. Mit dem ausverkauften Eröffnungabend beweist die Produktion, wie sehr Kims Weg berührt – eine Geschichte, die Normen herausfordert und Sichtbarkeit einfordert. Das Stück bleibt weiter im Spielplan der Vaganten Bühne und lädt das Publikum ein zu einer schonungslosen, ungeschminkten Erkundung von Identität und Zugehörigkeit.






