Illegale Müllmafia in NRW: Giftmüll im Tagebau Garzweiler entsorgt
Ein Abfallhändler aus Unna muss sich wegen des Betriebs illegaler Müllentsorgungsringe in Nordrhein-Westfalen vor Gericht verantworten. Ermittlern zufolge stand er an der Spitze eines kriminellen Netzwerks, das gefährliche Abfälle an mehreren Standorten – darunter auch im Tagebau Garzweiler – ablagerte. Bei Polizeirazzien wurden Bargeld, Gold und weitere Wertgegenstände beschlagnahmt, die mit den Machenschaften in Verbindung stehen.
Die Ermittlungen hatten bereits vor eineinhalb Jahren begonnen und konzentrierten sich auf die illegale Entsorgung kontaminierter Abfälle. Die Behörden stellten fest, dass rund 23.000 Tonnen belasteter Erde auf einem Gewerbegebiet in Selfkant nahe der niederländischen Grenze abgeladen worden waren. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, giftige Abfälle entgegengenommen, mit harmlosen Materialien vermischt und anschließend falsch deklariert zu haben, um sie illegal zu entsorgen.
Der 63-jährige Mann hat eine Vorstrafe wegen Bestechung und Steuerhinterziehung. Zudem war er bereits in die ungesetzliche Entsorgung von Abfällen aus der BP-Raffinerie in Gelsenkirchen verwickelt. Bei einer aktuellen Razzia beschlagnahmten Beamte 120.000 Euro in bar, 200 Gramm Gold und weitere hochwertige Gegenstände aus seinem Fahrzeug.
Die von der Zentralstelle zur Bekämpfung von Umweltkriminalität (ZUBK) geleiteten Ermittlungen förderten zahlreiche Entsorgungs-, Transport- und Baufirmen zutage, die Teil des Netzwerks gewesen sein sollen. Zwar wurden keine konkreten Unternehmen öffentlich genannt, doch die unter dem Codenamen Boden NRW geführte Untersuchung deckte Aktivitäten in Bottrop, Selfkant und Kamp-Lintfort auf.
Unterdessen leitet die Stadt Gelsenkirchen rechtliche Schritte ein, um Hersteller und Lieferanten gemäß dem Kreislaufwirtschaftsgesetz zur ordnungsgemäßen Abfallentsorgung zu verpflichten.
Dem Beschuldigten drohen nun Anklagen wegen des Betriebs illegaler Mülldeponien, unsachgemäßen Umgangs mit Gefahrstoffen und organisierten Betrugs. Der Fall unterstreicht die anhaltenden Bemühungen der Behörden, Umweltkriminalität in der Region entschlossen zu bekämpfen. Die Ermittler prüfen weiterhin das volle Ausmaß der Aktivitäten des Netzwerks.