Erzbistum Paderborn zahlt 93 Millionen an Missbrauchsopfer – neue Vorwürfe gegen Kardinal Degenhardt
Jonas SchmittBischof von Paderborn Bentz bittet um Vergebung nach Missbrauchsstudie - Erzbistum Paderborn zahlt 93 Millionen an Missbrauchsopfer – neue Vorwürfe gegen Kardinal Degenhardt
Erzbistum Paderborn zahlt 93 Millionen Euro an Missbrauchsopfer – Neue Vorwürfe gegen verstorbenen Kardinal Degenhardt
Das Erzbistum Paderborn hat bis zu dieser Woche 93 Millionen Euro an Entschädigungszahlungen an Überlebende sexuellen Missbrauchs geleistet. Gleichzeitig sind neue Vorwürfe gegen den verstorbenen Kardinal Johannes Joachim Degenhardt aufgetaucht, der die Diözese jahrzehntelang führte. Eine Opferinitiative fordert nun die Umbenennung von Straßen, die zwei ehemalige Kardinäle ehren, die mit dem Skandal in Verbindung stehen.
Die Missbrauchskrise der deutschen katholischen Kirche war erstmals 2010 öffentlich geworden. Eine Studie aus dem Jahr 2023 deckte später 489 Fälle sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Paderborn zwischen 1941 und 2002 auf, an denen 210 beschuldigte Personen beteiligt waren. Bischof Udo Markus Bentz bezeichnete die Ergebnisse als Beleg für ein systemisches Versagen der Kirche und bat die Opfer öffentlich um Vergebung.
Seit Veröffentlichung der Studie wurden zwar keine neuen Fälle von unabhängigen Ermittlern bestätigt. Dennoch prüfen die Behörden seit Anfang 2026 zwölf neue Meldungen. Das Bistum versprach, die Untersuchungen fortzusetzen – mit besonderem Fokus auf Degenhardts mögliche Rolle bei der Vertuschung von Missbrauch.
Unterdessen verlangt eine Organisation von Überlebenden die Umbenennung der Kardinal-Jaeger-Straße und des Kardinal-Degenhardt-Platzes. Beide Ehrungen gelten ehemaligen Amtsinhabern, denen vorgeworfen wird, Täter vor Konsequenzen geschützt zu haben.
Das Erzbistum Paderborn hat bereits 93 Millionen Euro an Betroffene ausgezahlt. Die Ermittlungen zu Degenhardts Handlungen laufen weiter, während die Forderungen lauter werden, öffentliche Würdigungen belasteter Geistlicher zu entfernen. Die Diözese erklärte, sie werde vollumfänglich mit den Behörden zusammenarbeiten, die die neuen Vorwürfe prüfen.