17 March 2026, 00:44

Düsseldorf wagt digitales Experiment: Geheime Wahlen per Software

Ein Blatt Papier mit einer Zeichnung von drei Personen, zwei Frauen und einem Mann, und dem Text "The Devonshire, or Most Approved Method of Securing Votes", mit Farboptionen oben.

Düsseldorf wagt digitales Experiment: Geheime Wahlen per Software

Düsseldorfs Stadtrat führt digitale Abstimmungen ein – auch bei geheimen Wahlen

Der Düsseldorfer Stadtrat will in seinen Sitzungen künftig digital abstimmen lassen, darunter auch bei geheimen Wahlen. Die Entscheidung hat eine Debatte über Sicherheit und Transparenz ausgelöst. Kritiker warnen, dass digitale Systeme Wahlmanipulationen schwerer erkennbar machen und das Vertrauen in den Prozess untergraben könnten.

Geplant ist der Einsatz der Software OpenSlides, die bereits von politischen Parteien und Gewerkschaften genutzt wird. Das Programm verwaltet Rednerlisten und Abstimmungsverfahren, einschließlich geheimer Wahlen. Emanuel Schütze, der Gründer des Unternehmens, argumentiert jedoch, dass eine lückenlose Überprüfbarkeit bei digitalen Geheimwahlen das Risiko berge, die Identität der Wähler offenlegen zu müssen.

OpenSlides kommt bereits bei Bundesparteitagen und kleineren Veranstaltungen zum Einsatz. Dennoch bleiben Bedenken, ob die Software für offizielle Beschlüsse ausreichend zuverlässig ist. Chris Demmer, Fraktionsvorsitzender der Linken, warnt, digitale geheime Wahlen seien anfälliger für Manipulationen als die traditionelle Papierwahl.

Die Linke pocht darauf, bei geheimen Abstimmungen weiterhin auf Stift, Zettel und Wahlurnen zu setzen. Ihre Haltung begründet die Partei mit den Erfahrungen Deutschlands mit elektronischen Wahlgeräten, die 2009 nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts verboten wurden – weil sie keine öffentliche Nachprüfbarkeit boten. Ein aktuelles Rechtsgutachten bestätigt jedoch, dass der Düsseldorfer Schritt zur Digitalisierung mit dem geltenden Recht vereinbar ist.

Der Beschluss des Rates markiert den Übergang von physischen zu digitalen Abstimmungssystemen. Während Juristen die Änderung befürworten, fürchten Gegner einen Verlust an Transparenz. Die Diskussion spiegelt die grundsätzliche Frage wider, wie sich Effizienz und Wahlintegrität in der digitalen Demokratie in Einklang bringen lassen.

AKTUALISIERUNG

Düsseldorfs digitales Stimmssystem geht online – Erster offizieller Einsatz bestätigt

Düsseldorf hat das digitale Abstimmen für seine Ratssitzungen erfolgreich eingeführt, nachdem es im Dezember 2025 getestet wurde. Die Stadt ist nun die erste in Nordrhein-Westfalen mit über 250.000 Einwohnern, die das OpenSlides-System verwendet.

  • Live-Abstimmungen zeigen Echtzeit-Ergebnisse für offene und benannte Abstimmungen.
  • Geheim (geheim) Abstimmungen zeigen nur die endgültigen Ergebnisse.
  • Hybrid-Sitzungen ermöglichen die Teilnahme von Ferne über Livestream.