Caren Jess' Bookpink feiert rabiate Premiere mit schwarzem Humor und Gesellschaftskritik
Philipp KrügerCaren Jess' Bookpink feiert rabiate Premiere mit schwarzem Humor und Gesellschaftskritik
Caren Jess' neues Stück Bookpink – Neuankömmlinge feiert Premiere am Deutschen Theater Berlin
Das aktuelle Werk der Dramatikerin, Bookpink – Neuankömmlinge, vereint schwarzen Humor mit scharfsinniger Gesellschaftskritik und lotet aus, wie Menschen und Tiere unter Druck aufeinandertreffen.
Das Stück knüpft an Jess' vorherige Arbeit Die Katze Eleonore an, die im vergangenen Jahr in Dresden uraufgeführt wurde. Beide Stücke setzen sich mit Themen wie Flucht, Kontrolle und der in alltäglichen Strukturen verborgenen Gewalt auseinander.
Bookpink – Neuankömmlinge entfaltet sich in drei eigenständigen Szenen, die jeweils unterschiedliche Formen von Anpassungsdruck und systemischer Schädigung aufdecken. Der erste Akt erzählt erneut die Geschichte einer Frau, die sich in eine Katze verwandelt, um menschlichen Erwartungen zu entfliehen – ein Motiv, das bereits in Die Katze Eleonore zentral war. Doch hier zeigt sich: Die Flucht ist nur vorübergehend, und der Preis wird deutlich.
Im zweiten Akt rückt ein Kolibri-Influencer in den Fokus, dessen Leben nach einem gescheiterten Sterilisationsversuch außer Kontrolle gerät. Die Szene karikiert gesellschaftliche Besessenheit von Produktivität und körperlicher Beherrschung und inszeniert das Leid des Vogels als zugleich absurd und tragisch.
Durchgehend werden Tiere als gefangen oder von menschlichen Systemen ausgebeutet gezeigt. Die grellbunten, von Pop-Art inspirierten Kostüme und Bühnenbilder – gestaltet von Kathrin Frosch – stehen in scharfem Kontrast zu den düsteren Botschaften des Stücks. Regisseurin Jorinde Dröse führt ein Ensemble mit Daria von Loewenich, Natali Seelig und Bernd Moss durch eine Mischung aus Komik und Horror.
Hinter dem Humor verbirgt sich eine schonungslose Abrechnung. Jess attackiert den Sozialdarwinismus, die Mythen von rassischer und körperlicher Überlegenheit sowie die zerstörerische Logik von Kapitalismus und Kolonialismus. Das Stück verweigert einfache Lösungen und hinterlässt beim Publikum eher Unbehagen als Katharsis.
Bookpink – Neuankömmlinge ist ein mutiges, beunruhigendes Werk. Seine knalligen Bilder und komischen Momente münden in ein Finale, das von Trauer und Schock geprägt ist. Die Inszenierung fordert die Zuschauer*innen heraus, sich mit den Strukturen auseinanderzusetzen, die sowohl menschliche als auch tierische Existenzen prägen – und oft verletzen.






