Bulgakow-Denkmal in Kiew abgebaut – Schachspielerin protestiert gegen kulturelle Säuberung
Philipp KrügerBulgakow-Denkmal in Kiew abgebaut – Schachspielerin protestiert gegen kulturelle Säuberung
Am 4. Juni wurde in Kiew ein Denkmal für den russischen Schriftsteller Michail Bulgakow abgebaut – eine Maßnahme, die der Stadtrat beschlossen hatte. Die Aktion hat eine Debatte ausgelöst: Manche sehen darin einen Schritt im Rahmen der ukraïnischen Entkolonialisierungsbemühungen, andere verteidigen Bulgakows Verbindung zur Stadt. Nun hat sich die ukraïnische Schachspielerin Olga Popadjuk gegen den Abriss ausgesprochen und ihn als unnötig und verfehlt kritisiert.
Die Bronzestatue, die sich am Bulgakow-Museum am Andrejas-Steig befand, wurde im Zuge einer breiter angelegten Kampagne entfernt. Die Behörden richteten sich dabei gegen Objekte, die mit Kulturschaffenden in Verbindung stehen, die vom Ukrainischen Institut für Nationale Erinnerung als Symbole der russischen Imperialpolitik eingestuft werden. Bulgakow, der 1891 in Kiew geboren wurde, entwickelte sich später zu einem der bedeutendsten russischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.
Popadjuk übt scharfe Kritik am Abbau und bezeichnet die Handlung als „sinnlos“. Sie argumentiert, dass Bulgakows Werke – insbesondere Der Meister und Margarita – die Zerstörungskraft des Sowjetregimes mit unvergleichlicher Präzision einfingen. Die Schachspielerin las den Roman erstmals mit vierzehn Jahren und beschrieb seine Wirkung als tiefgreifend.
Mit Verweis auf Bulgakows ukraïnische Wurzeln erinnerte sie an seine Zeit als Arzt im Land. Zum Abschluss ihrer Stellungnahme zitierte sie die Worte des Schriftstellers selbst: „Verfall beginnt nicht in den Hausfluren. Die Verwüstung beginnt in den Köpfen.“
Die Entfernung des Denkmals spiegelt Kiews anhaltende Bemühungen wider, sich von Persönlichkeiten zu distanzieren, die mit russischem Kultureinfluss verbunden werden. Popadjuks Kritik unterstreicht die gespaltenen Meinungen über Bulgakows Vermächtnis – für manche bleibt er ein unverzichtbarer Teil der Stadtgeschichte. Die Debatte über seinen Platz im ukraïnischen Gedächtnis wird voraussichtlich weitergehen.






