Bergisch Gladbach kämpft mit 50-Millionen-Defizit und massiven Jobverlusten durch Deindustrialisierung
Philipp KrügerBergisch Gladbach kämpft mit 50-Millionen-Defizit und massiven Jobverlusten durch Deindustrialisierung
Bergisch Gladbach steht vor schweren finanziellen und wirtschaftlichen Herausforderungen, nachdem der Haushaltsentwurf für 2026 ein Defizit von fast 50 Millionen Euro offenbart. Die lokale Industrie kämpft mit massiven Arbeitsplatzverlusten und Werksschließungen, was die Haushaltslage der Stadt zusätzlich belastet. Die Situation hat dringende Debatten ausgelöst, wie der Haushalt stabilisiert werden kann, ohne die Bürger weiter zu belasten.
Die wirtschaftlichen Probleme der Stadt verschärften sich Anfang 2026, als der Dämmstoffhersteller Isover aufgrund verschärfter Energievorgaben durch das Gebäudeenergiegesetz (GEG) die Produktion einstellte – ein Schritt, der allein 160 Arbeitsplätze kostete. Bereits zuvor hatte die Papierfabrik Zanders, ein Unternehmen mit fast 200-jähriger Tradition, nach einer Forderung über 7 Millionen Euro für CO₂-Zertifikate die Tore geschlossen und damit 380 Stellen gestrichen.
Bis Anfang 2025 hatten bereits 38 Prozent der Industriebetriebe im Kreis Entlassungen angekündigt. Dr. Uwe Vetterlein, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), warnte im Februar 2026 vor einer beschleunigten Deindustrialisierung in der Region. Trotz früherer Investitionen in den Klimaschutz konnten Maßnahmen wie der kommunale Klimahaushalt die Überschwemmungen im Strundepark 2021 nicht verhindern – was Fragen zur sinnvollen Verwendung der Mittel aufwirft.
Der Haushalt 2026, vorgestellt von Florian Fornoff (AfD), sieht Steuererhöhungen für die Bürger vor. Fornoff schlug zwar einen Zehn-Punkte-Plan vor, um die finanzielle Belastung ohne Steuererhöhungen zu mildern, doch Bergisch Gladbach hat bereits jetzt überdurchschnittlich hohe Hebesätze im Vergleich zu anderen Städten in Nordrhein-Westfalen. Dennoch zweifelt der Stadtkämmerer daran, dass eine Insolvenz bis 2027 noch abwendbar ist.
Angesichts des industriellen Niedergangs, steigender Arbeitslosigkeit und schrumpfender Haushaltsmittel steht Bergisch Gladbach in den kommenden Jahren vor schwierigen Entscheidungen. Der Verlust traditionsreicher Unternehmen und die anhaltende finanzielle Belastung erfordern tiefgreifende Anpassungen, um weiteren wirtschaftlichen Schaden zu verhindern. Ungewiss bleibt, ob es der Stadt gelingt, Klimapolitik, Arbeitsplatzsicherung und Haushaltsstabilität in Einklang zu bringen.






