29 June 2026, 18:10

Bachmannpreis 2024: Schaette triumphiert, Roschal verlässt wütend das Festival

Gegen alles in Frontalopposition

Bachmannpreis 2024: Schaette triumphiert, Roschal verlässt wütend das Festival

Die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur setzten in diesem Jahr einen klaren Schwerpunkt auf Wirtschaftsthemen. Geld und Status prägten die Diskussionen und Entscheidungen des Festivals. Autor:innen und Juror:innen lieferten sich scharfe Debatten über die finanziellen Realitäten der Branche.

Der mit 30.000 Euro dotierte Hauptpreis sowie der Publikumspreis gingen an Schaette für ihren Text „Was wir tragen“. Ihre Geschichte handelt von zwei übergewichtigen Schülerinnen, die ihre Unsichtbarkeit als Stärke nutzen.

Für Aufsehen sorgte Slata Roschal, die nach ihrer Lesung ankündigte, das Festival sofort zu verlassen – eine Auseinandersetzung mit der Jury lehnte sie ab. Ihr Text kritisierte die literarische Institution für schlecht bezahlte Stipendien und magere Gewinnspannen, doch thematisierte die Erzählung selbst weniger prekäre Verhältnisse als vielmehr die Literaturszene.

Weitere Preise würdigten vielfältige Stimmen: Kinga Tóth erhielt den KELAG-Preis für ihren sprachlichen Witz und ihre polyphone Darstellung eines „Ostblock-Mädchens“. Ozan Zakariya Keskinkılıç wurde mit dem Deutschlandfunk-Preis für seinen Text „Vater ohne Sohn“ ausgezeichnet.

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Beim Bachmann-Preis saßen erstmals sieben Jurorinnen im Gremium, die die Texte der Autor:innen öffentlich und in deren Gegenwart analysierten. Im Hintergrund schwebte als thematischer Verweis Ingeborg Bachmanns Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“ – eine Gerichtssatire, in der Gott selbst vor Gericht steht.

Schaettes Doppelsieg bildete den Höhepunkt des Festivals, während Roschals Abgang und ihre Kritik die Spannungen um faire Bezahlung unterstrichen. Die Veranstaltung zeigte sich erneut als Bühne für literarische Spitzenleistungen – und als Ort der Branchenkritik.

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