Aktivistin spendet Weimers umstrittene Jugendgedichte an Nationalbibliothek
Ida MüllerAktivistin spendet Weimers umstrittene Jugendgedichte an Nationalbibliothek
Die Aktivistin Martha Root hat die frühe Gedichtsammlung des Kulturministers Wolfram Weimer, „Kopfpilz“, der Deutschen Nationalbibliothek gespendet. Das Buch ist nun kostenlos online und in digitalisierter Form zugänglich. Roots Initiative hat die Debatte über Weimers frühes Werk und dessen kulturelle Bedeutung neu entfacht.
Weimer veröffentlichte „Kopfpilz“ 1986 im Alter von 22 Jahren im Selbstverlag. Die Sammlung enthält Gedichte wie „Vorfreude“ und „Unglück“, die Root als plump und geschmacklos bezeichnet. Öffentlich kritisiert sie sie als Beispiele für „Vergewaltigungskultur“.
Roots Schritt ist kein persönlicher Angriff, sondern Teil einer größeren Diskussion über kulturelle Maßstäbe. Sie argumentiert, dass Weimer, der heute über Fördergelder in der Kulturpolitik entscheidet, auch an seinen eigenen Texten gemessen werden müsse. Um ihre Position zu unterstreichen, plant sie, ein physisches Exemplar von „Kopfpilz“ zu versteigern – den Erlös soll die Initiative „Lesen Hilft“ erhalten.
Die Mittel kommen linksgerichteten Buchhandlungen zugute, die kürzlich von einer Preisverleihung ausgeschlossen wurden. Root hatte zuvor bereits mit Aktionen auf sich aufmerksam gemacht, etwa als sie beim Chaos Communication Congress die rechtsextreme Dating-Plattform „White Date“ infiltrierte.
Die Gedichtsammlung ist nun über die Deutsche Nationalbibliothek und Archive.org öffentlich einsehbar. Mit der Versteigerung will Root den Fokus auf die Werte lenken, die in Weimers frühem Werk zum Ausdruck kommen. Die Debatte darüber, wie seine damaligen Texte mit seiner heutigen Rolle in der Kulturpolitik vereinbar sind, dauert an.






